Schlagwort: InDesign

  • InDesign-Scripte: Navigation zwischen Druckbögen (spreads) aller offenen Dokumente

    In Anlehnung an einen meiner früheren Beiträge zum synchronen Blättern in allen geöffneten PDFs innerhalb Acrobats möchte ich heute vier InDesign-Scripte veröffentlichen, die die gleiche Funktionalität in InDesign bereitstellen.

    [Version v1.0, als zip verpackt, 1,4 kB]

    Die Scripte habe ich aus einer öffentlich zugänglichen Quelle geladen (ich weiß leider nicht mehr aus welcher) und lediglich auf meine Bedürfnisse angepasst.

    Funktionalität der Scripte im Einzelnen

    Die Druckbogen-(spreads-)Ansicht aller geöffneten InDesign-Dokumente springt …

    … auf den ersten Druckbogen:AllWindowsfirstSpread.jsxStrg Wahl Pos1
    … auf den letzten Druckbogen:AllWindowslastSpread.jsxStrg Wahl Ende
    … auf den nächsten Druckbogen:AllWindowsnextSpread.jsxStrg Wahl Bild-ab
    … auf den vorherigen Druckbogen:AllWindowsprevSpread.jsxStrg Wahl Bild-auf

    In der dritten Spalte finden Sie den Shortcut, den ich bei mir eingerichtet habe. Das ist natürlich nur ein Vorschlag und beliebig veränderbar.

    Scripte installieren

    Hier möchte ich auf Haeme Ulrichs Blog verweisen, der dies sehr gut dargestellt hat: https://publishingblog.ch/indesign-script-installieren/

  • Kapitelsenkung in InDesign – vier Optionen

    Kapitelsenkung in InDesign – vier Optionen

    Wie erreiche ich in InDesign eine Kapitelsenkung, ohne den Haupt-Textrahmen mit der Hand anzufassen und damit einen Umbruch ohne manuellen Eingriff zu ermöglichen?

    Ich möchte Ihnen anschließend vier praktikable Methoden erläutern. Welche Methode am besten zu Ihrer Arbeitsweise passt, können nur Sie selbst entscheiden. Alle führen zum Ziel, eine automatische Kapitelsenkung zu erhalten. Ich selbst nutze die versteckte Absatzlinie (Option 4), weil sie am einfachsten einzurichten und zu handhaben ist.

    In dieser InDesign-Datei werden alle Optionen dargestellt:

    [IDML für alle InDesign-Versionen, 59kB]

    Option 1: Leerzeile vor der eigentlichen Überschrift

    Die Eingabe einer »Senkungs-Leerzeile« vor der eigentlichen Kapitelüberschrift ist die erste Möglichkeit, die ich vorstellen möchte. Diese Leerzeile erhält eine Absatz-Stilvorlage, die in den Umbruchoptionen das Verhalten »neuseitig«, »neuseitig rechts« oder »neuseitig links« und den Abstand nach unten zur Kapitelüberschrift, also die Senkung, regelt.

    Nachteil: Es gibt eine Leerzeile, die dort inhaltlich nicht hingehört und für einen Textexport wieder entfernt werden muss. Wer das vermeiden möchte, greift besser eine der nachfolgenden Techniken auf, die ohne zusätzliche Zeichen im Satz auskommen.

    Option 2: Grundlinienversatz

    Regeln Sie in der Stilvorlage, die dem letzten Absatz Ihrer Überschrift zugewiesen ist, den Abstand zum Grundtext und senken damit den Grundtext auf seine vorgesehene Position. Weisen Sie dann allen Absatz-Stilvorlagen Ihrer Überschrift einen Grundlinienversatz zu, um die gesamte Überschrift nach Ihrem Wunsch zu positionieren.

    Nachteil: Die Arbeit mit Grundlinienversatz kann unübersichtlich sein, denn der Bearbeitungs-Cursor in InDesign steht immer dort, wo ihr Text ohne den Versatz stünde. Korrekturstellen sicher zu treffen, ist damit manchmal umständlich.

    Option 3: Übergroßer Schriftgrad mit prozentualer Verkleinerung

    Wählen Sie für den ersten Absatz Ihrer Überschrift eine übergroße Schriftgröße (z. B. 162 pt) und skalieren diese in den erweiterten Zeichenformaten prozentual auf die eigentliche Größe der Überschrift herunter (z. B. 12,35 %).

    Nachteil: Diese Methode versucht, den Nachteil der Textkorrektur beim Grundlinienversatz auszugleichen, ist meiner Meinung nach allerdings in der Einrichtung recht umständlich.

    Option 4 (mein Favorit): Unsichtbare Absatzlinie

    Mein klarer Favorit, weil am einfachsten einzurichten und zu handhaben: Aktivieren Sie in der Stilvorlage, die dem ersten Absatz Ihrer Überschrift zugewiesen ist, eine Absatzlinie darüber mit Farbe »[Ohne]« und der Option »Im Rahmen belassen«. Anschließend können Sie über den Versatz dieser Absatzlinie den Abstand zur oberen Textrahmenkante definieren.

    Sollten Sie in »Textrahmenoptionen › Grundlinienoptionen« als Versatz für die erste Grundlinie »Fester Wert« gewählt haben, wird die Absatzlinie nicht im Textrahmen verbleiben. Für diese Variante der Kapitelsenkung müssen Sie entsprechend eine der anderen Grundlinienoptionen wählen.

  • [Keine Sprache] – Retter für Internetadressen (URLs) im Satz

    Internetadressen (URLs) stellen im Satz eine besondere Herausforderung dar. Sie sollten ausschließlich an Interpunktionszeichen innerhalb der URL getrennt werden, also keine automatische oder manuelle Silbentrennung innerhalb eines Wortes der URL aufweisen.

    In InDesign können wir die Silbentrennung leider nicht zeichenbezogen, sondern nur absatzbezogen steuern. Bevor aber jede Adresse einzeln gesucht und manuell bearbeitet werden muss: Es ist möglich, alle URLs eines Dokuments per GREP zu finden und mit einem speziell eingerichteten Zeichenformat zu belegen. Dabei hilft uns vor allem die Auswahl [Keine Sprache] der Textsprache in der Stilvorlage.

    GREP zum Finden von URLs

    Es gibt leider bisher keinen 100%ig zuverlässigen GREP, um Webadressen aufzuspüren und zu markieren, sodass per Suchen/Ersetzen jede vermeintliche URL angefahren, die Auswahl der Fundstelle gegebenenfalls nachjustiert und dann der Zeichenstil zugewiesen werden muss. Derzeit nutze ich diesen GREP zum Finden von URLs (schreiben Sie mir gern sofort, wenn Sie einen besseren haben!):

    (http|ftp)?(s?://)?[@a-zA-Z0-9.-]{1,256}\.[a-z]{1,6}\S*[^ \)\}\]!?.,;:\r(")(')]

    Anmerkung:  Zusammen mit René Andritsch habe ich einen neuen GREP entwickelt, der deutlich treffsicherer ist, und deshalb den ursprünglich auf dieser Seite dargestellten GREP ersetzt. Lesen Sie unbedingt auch seinen Blog-Eintrag zum Thema.

    Zeichenstilvorlage einrichten

    Erweiterte Zeichenformate › Sprache:  [Keine Sprache]

    Mit der Einstellung [Keine Sprache] für die URLs gibt es auch kein zugeordnetes Trennprogramm und damit keine Silbentrennung, auch wenn die Silbentrennung für den Absatz aktiviert ist.

    Verwendung von [Keine Sprache] in InDesign
    Oben: URL wird unzulässig umbrochen. Unten: [Keine Sprache] ist via Zeichenstilvorlage für die URL aktiviert; damit umbricht sie nur noch an den Interpunktionsstellen.

    Grundsätzlich eignet sich dieses Vorgehen für alle Textarten und -teile, die Sie nicht getrennt haben möchten wie URLs, Firmennamen, Codefragmente im Fließtext usw.

    Es gibt noch ein paar weitere Auswirkungen, die aber für den Satz von gelieferten Manuskripten nur marginale Bedeutung haben (z.B. wirkt die automatische Ersetzung typografischer Anführungszeichen bei der Texterfassung in InDesign nicht – auch diese sind sprachabhängig).

    Seltsames Verhalten einzelner Fonts bei [Keine Sprache]

    Bei Verwendung von [Keine Sprache] sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Font das gewünschte Verhalten zeigt. In einem meiner Projekte kommt die FF Scala zum Einsatz. Bei der Auszeichnung von Internetadressen passiert dabei folgendes:

    [a]
    Das metrische Kerning der Scala wirkt nicht mehr. Vergessen Sie in einem solchen Fall nicht, zusätzlich zu [Keine Sprache] das optische Kerning zu aktivieren (und die Laufweite entsprechend dem Grundtext anzupassen – optisches Kerning führt häufig zu weiterem Lauf des Textes).

    [b]
    Mit [Keine Sprache] ignoriert die Scala alle zusätzlich gewählten OpenType-Features und wird ausschließlich mit seinen Standard-Features dargestellt. Z.B. gehen die als Zusatzfeature eingestellten proportionalen Versalziffern verloren und die Scala wechselt zu den Standard-Mediaevalziffern. Der Zeichenstil muss dann für die Ziffern in den URLs anschließend wieder deaktiviert werden.

    [Keine Sprache]: Verlust des verändert eingestellten OpenType-Zahlenformats
    [Keine Sprache]: Verlust des verändert eingestellten OpenType-Zahlenformats bei der Scala

    Glücklicherweise sind nur wenige Fonts von diesem Phänomen betroffen.

  • InDesign: Bei Bildern oder Objekten im Bund Blitzer vermeiden

    Bilder und Grafik-Objekte, die wir auf rechten Seiten mit »X: 0 mm« direkt im Bund beginnen lassen, können (es passiert nicht immer) bei der PDF-Ausgabe auf der gegenüberliegenden linken Seite Blitzer am Beschnittrand erzeugen – und das, obwohl im PDF-Export der Anschnitt für »Innen« ebenfalls auf »0 mm« eingestellt ist.

    Ausgangslage in InDesign: Ein dreiseitig randabfallendes Bild, das im Bund beginnt
    Ausgangslage in InDesign: Ein dreiseitig randabfallendes Bild, das im Bund beginnt
    Ergebnis in Acrobat: ein Blitzer auf der linkengegenüberliegenden Seite
    Ergebnis in Acrobat: ein Blitzer auf der linkengegenüberliegenden Seite

    Wenn Sie solche Blitzer vermeiden wollen, schieben Sie das Bild um »+ 0,0001 mm« aus dem Bund heraus:

    InDesign-Trick: Element minimal aus dem Bund herausschieben

    Aufgrund der gerundeten Darstellung für das Nutzerinterface wird InDesign weiterhin »X: 0 mm« anzeigen, obwohl der echte Wert nun »X: 0,0001 mm« ist. Die Verschiebung ist für Druck und Weiterverarbeitung bedeutungslos, liefert aber blitzsaubere PDFs.

    Nach dem InDesign-Trick ist die linke Seite frei von Blitzern im Bund
    Nach dem InDesign-Trick ist die linke Seite frei von Blitzern im Bund

     

  • Optimale Wortabstände bei Schriftmischung in einem Absatz

    Schriften weisen teilweise sehr große Unterschiede in der Dickten-(= Breiten-)Definition des Wortzwischenraumes (space) auf. Wenn Sie zwei Schriften mit stark unterschiedlicher Wortzwischenraum-Dickte gemeinsam in einem Absatz mischen wollen, stoßen Sie an eine unangenehme Grenze von InDesign: Die Definition der Abstände (justification) – wie minimaler, optimaler, maximaler Wortabstand – ist in InDesign ausschließlich Absätzen und Absatzstilvorlagen vorbehalten. Korrekt ist dieses Verhalten nicht, denn die Wortabstände sind immer abhängig von der verwendeten Schrift, also eine eindeutig zeichenbasierte Definition.

    Workaround für bessere Wortabstände bei Schriftmischung

    Zeichnen Sie jeden Wortzwischenraum der Auszeichnungsschrift mit einer eigenen Zeichenstilvorlage aus – das geht über die Formatsuche des Suchen/Ersetzen-Dialogs am leichtesten –, in der Sie die horizontale Breite auf etwa 75% setzen (den spezifischen Wert für eine bestimmte Schriftart müssen Sie durch Tests ermitteln):

    Zeichenformatoptionen › Erweiterte Zeichenformate › Horizontal skalieren: 75%

    Damit erhalten Sie zwar mehr Zeichenstilvorlagen, aber auch wieder ein gleichmäßiges Satzergebnis der Wortzwischenräume.

    Ausgleich des Wortabstands durch Stilvorlagen
    Oben: Ohne Ausgleich der Wortzwischenräume; unten: durch Zeichenstilvorlage für die Wortzwischenräume ausgeglichen.
  • Textstellen im InDesign-Layout ausblenden

    Um Textstellen auszublenden, bietet InDesign seit CS4 die Funktion »Bedingter Text«. Doch spezielle Anforderungen wie Durchsuchbarkeit, Textexport ohne weitere manuelle Eingriffe usw. sind bei ausgeblendetem bedingten Text nicht möglich und benötigen kreative Workarounds. In diesem Artikel finden Sie Tricks, die Ihnen neue Impulse zur Lösung Ihrer speziellen Produktionssituation geben können.

    Sie können hier eine IDML-Datei zu diesem Artikel herunterladen:

    Ausblenden mit »Bedingter Text«

    Für Textteile, die im Printlayout nicht sichtbar sein dürfen, nutzen Sie üblicherweise die Funktion »Bedingter Text« (im Menü »Fenster« unter »Schrift und Tabellen › Bedingter Text«).

    Vorteile: Mit »Bedingter Text« lassen sich alle Zeichen – auch Absatzzeichen oder im Textfluss verankerte Objekte – über einen Klick auf das Auge-Symbol ein- oder ausblenden. Des Weiteren bleibt jede zeichenbasierte Formatierung erhalten.

    Nachteile: Wenn bedingte Texte ausgeblendet sind, lassen sie sich nicht mehr durchsuchen. Es gibt dann nur noch die Möglichkeit, den Text im InDesign-Layout zu lesen, indem Sie im Bildschirmmodus »Normal« (»Ansicht › Bildschrimmodus › Normal«) im Modus »Verborgene Zeichen einblenden« des »Schrift«-Menüs den Cursor über dem Sonderzeichen für bedingten Text ruhen lassen. Nach kurzer Zeit öffnet sich ein kleiner gelber Kasten (mouse over) mit dem Namen und dem Text der ausgeblendeten Bedingung.

    Ausgeblendeten bedingten Text kurzzeitig sichtbar machen
    So sehen Sie den Inhalt eines ausgeblendeten bedingten Textes: Schweben Sie einfach bei eingeblendeten verborgenen Zeichen bewegungslos mit dem Mauszeiger über der Marke für bedingten Text. Die richtige Stelle zu treffen, ist leider nicht ganz einfach.

    Auch sind ausgeblendete bedingte Texte in einem nachgelagerten (z.B. RTF-)Export auch wirklich nicht enthalten und müssen – sofern Sie als Text mitexportiert werden sollen – dafür immer manuell eingeschaltet werden.

    Trick 1: Textteile ohne »Bedingter Text« ausblenden

    Wollen Sie also ausgeblendete Texte durchsuchbar halten, müssen Sie mit einem Trick arbeiten, der vor den bedingten Texten in jedem Layoutprogramm zum Standardrepertoire eines Setzers gehörte:

    Erstellen Sie eine Zeichenstilvorlage z.B. mit dem Namen »hiddenText« oder erstellen Sie eine Variante der Absatzstilvorlage mit dem Namenszusatz »_hidden« und den folgenden Einstellungen:

    • Grundlegende Zeichenformate:   Schriftgröße 0,1pt;  Zeilenabstand 0pt;  Unterstreichen Aus;  Durchgestrichen Aus
    • Erweiterte Formate:   Schriftbreite 1%
    • Zeichenfarbe:   »[Ohne]«(!) für Füllung und Kontur

    Zeichnen Sie die betreffenden Textstellen mit der neuen Stilvorlage aus. Damit sind sie ausgeblendet, durch eine Suche in InDesign oder im PDF-Export aber weiterhin auffindbar. (Wollen Sie die Fundstelle nach dem Auffinden lesen, öffnen Sie in InDesign einfach den Texteditor über das Menü »Bearbeiten › Im Textmodus bearbeiten«.)

    Der große Nachteil der Nutzung einer Zeichenstilvorlage liegt auf der Hand: Alle zuvor auf Zeichenbasis veränderten Bereiche innerhalb Ihres versteckten Textes werden überschrieben. Wollen Sie die Formatierungen erhalten, benötigen Sie pro enthaltenem Zeichenstil eine Variante mit dem Namensanhängsel »_hidden« und müssen diese sorgfältig zuweisen.

    Außerdem lassen sich so keine verankerten Objekte ausblenden. Auch ganze Absätze verschwinden zu lassen, bedarf im Einzelfall noch ein wenig mehr Justage als allein »Zeilenabstand: 0pt«. Zu diesen beiden Anforderungen sind zwei weitere Tricks nötig …

    Übrigens:  Sollten Sie jetzt noch kleine graue Striche an den Stellen der ausgeblendeten Texte sehen: Das ist der Bildschirmdarstellung geschuldet. In der Separationsvorschau (zu finden über das Menü »Fenster« unter »Ausgabe › Separationsvorschau«) als dem Druck ähnlichste Bildschirmdarstellung oder einem exportierten PDF sind diese Berechnungsfragmente verschwunden.

    Trick 2: Zusätzlich verankerte Objekte ausblenden

    Wollen Sie auch ein verankertes Objekt in der Printausgabe verschwinden lassen, wählen Sie es mit dem Auswahlwerkzeug (schwarz gefüllter Pfeil in der Werkzeugpalette) an und verstecken es über den Menübefehl »Fenster › Ausgabe › Attribute: Nicht druckend«.

    Auch das können Sie in einem Objektstil, z.B. »hiddenObject«, mit den folgenden Einstellungen sichern:

    • Textumfluss und Sonstiges › Rubrik »Sonstiges«: Nicht druckend

    Auch hier gilt wieder: Pro verwendetem Objektstil brauchen Sie einen neuen mit dem Namenszusatz »_hidden«.

    Trick 3: Zusätzlich ganze Absätze ausblenden

    Ganze Absätze auszublenden funktioniert mit »Zeilenabstand: 0pt« nur dann, wenn Sie die Absätze nicht am Grundlinienraster ausgerichtet haben (Am Raster ausrichten: Ohne). Sofern Sie also üblicherweise am Grundlinienraster ausrichten, wird es etwas komplizierter:

    Weisen Sie der ersten Zeile des nachfolgenden Absatzes oder dem ganzen nachfolgenden Absatz einen Zeilenabstand zu, der mindestens 0,01pt kleiner ist als der Abstand des Grundlinienrasters. Idealerweise hinterlegen Sie das natürlich in der Definition der Absatzstilvorlage – hier die Beschreibung, um nur den Abstand der ersten Zeile zu verringern:

    • Erstellen Sie zunächst ein neues Zeichenstilformat, z.B. »ZABminus«, mit dem verringerten Zeilenabstand als einziger Einstellung (bei 12pt ZAB also mit 11,99pt oder weniger).
    • Definieren Sie dann in der betreffenden Absatzstilvorlage unter Initialen und verschachtelte Formate: Neues Zeilenformat »›ZABminus‹ für 1 Zeile«

    So wirkt sich der kleinere Zeilenabstand nur auf die erste Zeile des Absatzes aus und lässt diesen auf die Grundlinie des versteckten Absatzes »springen«.

  • Wortzwischenraum

    Ein möglichst harmonisches Satzbild (eine optisch gleichmäßige »Grauwirkung«) ist das Ziel des hochwertigen Buchsatzes. Durch die Nutzung unterschiedlich breiter Wortzwischenräume (feste oder flexible) nähern wir uns diesem Ideal. Dabei sind zumindest zwei Punkte beachtenswert:

    Die optische Annäherung
    Ein Punkt am Ende eines Satzes darf ruhig einen optisch größeren Raum verursachen: Er ist das Ende einer abgeschlossenen Sinneinheit und es beginnt die nächste. Aber Abkürzungen innerhalb eines Satzes sollten sich unauffällig integrieren. Hier hilft nur, den Wortzwischenraum der Abkürzung so weit zu reduzieren (also in der Breite zu verringern), bis er optisch dem normalen Wortzwischenraum ähnelt.

    Das Zusammenhalten semantischer Einheiten
    Ferner sollten semantische Einheiten (also Sinneinheiten) innerhalb eines Satzes am Zeilenende nicht unschön aufgetrennt werden (z.B. »6 ‹Zeilenumbruch›Kilometer« – oder gar als Abkürzung: »6 ‹Zeilenumbruch›km«). Hier versuchen wir, durch den geschickten Einsatz von geschützten Wortzwischenräumen ein Umbrechen zu verhindern.

    Klassifikation der Abstände (Zwischenräume)

    KürzelBeschreibungSatztechnik
    WZRWortzwischenraum 
    (Keil, Space, Leerzeichen, Leerschritt, Leerstelle, Leer, Abstand, Zwischenraum)
    Basiswert in »Abstände« – Wortabstand, Optimal: 100% (an Schriftart angepasst)
    gWZRGeschützter WZR 
    (= flexibel, nicht-trennend)
    Bis InDesign CS2:
    Zeichenstil: ‹Kein Umbruch› aktiviert (in: »Grundlegende Zeichenformate«)
    Ab InDesign CS3:
    programminternes Zeichen »Geschütztes Leerzeichen« nutzen
    RedWZRReduzierter WZR 
    (= flexibel, trennend, verringert)
    Zeichenstil mit verringerter Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    gRedWZRGeschützer RedWZR 
    (= flexibel, nicht-trennend, verringert)
    Bis InDesign CS2:
    Zeichenstil: ‹Kein Umbruch› aktiviert; verringerte Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    Ab InDesign CS3:
    Programminternes Zeichen »Geschütztes Leerzeichen« und Zeichenstil mit verringerter Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    Festabstand

    Festwert
    (Spatium, Festabstand, Gevierte; = fester, nicht-trennender Abstand, wird im Blocksatz nicht ausgetrieben)

    Programminterne Gevierte verwenden: 
    1/1 – 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/24 – usw. (je nach Anwendungsfall)

    Verwendung

    Die verschiedenen Zwischenräume werden genutzt, um semantisch zusammengehörige Worteinheiten bzw. Abkürzungen optisch anzunähern und ein unschönes Auftrennen am Zeilenende zu vermeiden. Verschiedene Wort-(Zahl-)Kombinationen weisen ein unterschiedlich starkes Streben nach innerem Zusammenhalt auf:

    Rang
    (im Streben nach Einheit)
    BeispieleSatztechnik
    1   o [= wenig]sechs KilometerWZR
    2   +6 KilometergWZR
    3   ++griech. PhilosophRedWZR
    4   +++2. Weltkrieg
    z. B.
    gRedWZR
    5   ++++ [= stark]100 000
    20 000
    50 %
    Festwert 1/8 Geviert

    Beispiele

    • Hrg. v. Hugo Ernst   →   Hrg.[gRedWZR]v.[RedWZR]Hugo Ernst
    • J. R. R. Tolkien   →   J.[gRedWZR]R.[gRedWZR]R.[RedWZR]Tolkien
    • er soll / sie sollte   →   er soll[gRedWZR]/[RedWZR]sie sollte
    • er sollte/wollte   →   er sollte/wollte
    • Mr. Green   →   Mr.[gRedWZR]Green
  • Gemeine zwischen mehreren Versalien – was tun?

    KGaA, UdSSR … die Mischform aus mehreren Versalien und Gemeinen in einem Wort begegnet uns doch hin und wieder mal im Satz. Wir haben gelernt, Versalien kleiner zu setzen und anzusperren, dass sie besser lesbar werden und sich optisch besser in die Zeile einfügen. Für die Behandlung von Versalien gilt: eigene Zeichenstilvorlage anlegen

    Versalien (in Grundschriftgraden, je nach Schrift):
    – etwa 0,5 pt (oder 95%) kleiner
    – +35 bis +50 in InDesign ansperren (respektive +7 bis +10 in Quark)

    Versalien findet man in InDesign (und anderen GREP-fähigen Programmen) leicht mit der folgenden GREP-Suche:

    Versalien-GREP: \u\u+
    Vergleich Versalien ohne und mit Optimierung.
    Optimierte Versalien (rechts) fügen sich angenehmer ins Satzbild.

    Wie behandle ich KGaA oder UdSSR typografisch korrekt?

    Aber was ist mit Kombinationen wie KGaA und UdSSR? Da findet die Versalien-GREP-Suche nur Teile des Wortes: KGaA → KG  oder  UdSSR → SSR.

    Wenn Sie so die Versal-Stilvorlage anwenden, kleben die Gemeinen zu sehr an den nachfolgenden Versalien – »dSSR« – und die einzeln Versalien der Wortgruppe sind zu groß – »U« im Vergleich zu »SSR«. (Dargestellt in der linken Spalte in der unteren Abbildung.)

    Der nachfolgende GREP findet die gemischten Worte ebenso wie einfache CamelCase-Worte (also Worte, die ein Anfangs- und ein Binnen-Versal aufweisen wie »MacLeod«):

    CamelCase-GREP: \u\u*\l+\u+

    Meine Empfehlung für die korrekte typografische Umsetzung:

    • Auf einzelne Versalien der Buchstabengruppe ebenfalls die Versalien-Stilvorlage anwenden.
    • Gemeine in der Gruppe in voller Grundschriftgröße belassen, aber wie umgebende Versalien ansperren.

    Dadurch erreichen Sie ein optimales Satzbild:

    Optimierung mit Gemeinen gemischter Versalien.
    Mit Gemeinen gemischte Versaliengruppen benötigen eine eigene Optimierung (rechts).
  • InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch einfügen

    Wer mit XML- oder Datenbankinhalten zu tun hat, muss sich häufiger die Frage stellen, wie er standardisierte Inhalte (»Tipp: «, »Achtung: «, »ISBN « usw.) vor bestimmten Absätzen in InDesign einfügt. Möglichkeiten gibt es viele:

    • beim XML-Import per XSLT oder Scripting (bspw. per XML Rules) fest einfügen
    • nach dem Import der Daten via Stilvorlage und GREP oder Suchen/Ersetzen bzw. per Scripting fest einfügen
    • per Hand eingeben
    • oder oder oder

    Ich bevorzuge dafür die Aufzählungsfunktion – aber etwas anders genutzt … 

    1. Wählen Sie »Aufzählungszeichen und Nummerierung«
    2. Wählen Sie »Listentyp: Zahlen«
    3. Als »Format:« nehmen Sie »Ohne« eben im Feld »Zahl:« den Text ein, der automatisch vor dem Absatz eingesetzt werden soll und die nötigen Festwerte/Abstandszeichen (z.B. auch ^t für den Tabulator).
    4. Wählen Sie dann unter »Zeichenformat:« ein Format für das Feld »Zahl:« aus.
    5. Die restlichen Eintragungen sind für unseren Zweck nicht wichtig.

    Damit erhalten Sie einen vollautomatisch generierten Inhalt vor dem Absatz in InDesign (entspricht im CSS einem p.warning:before { content: ‚Achtung‘; }) – auch ganz zur Freude für Ihr XML-Roundtripping, weil Sie dem XML-Stream keine unnötigen Inhalte hinzufügen müssen.

    InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch mit der Aufzählungsfunktion einfügen lassen.
    InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch mit der Aufzählungsfunktion einfügen lassen.

    PS. Diesen Trick durfte ich vor einigen Jahren schon mal in Haeme Ulrichs Blog veröffentlichen (an dieser Stelle ganz ausdrücklich: Grüße in die Schweiz!). Er hat aber nach wie vor an Aktualität nicht verloren.

  • GREP für gelieferte Register: Registereintrag von Seitenzahlen trennen

    Idealerweise wird im Manuskript schon eine eindeutige Zeichenkombination (z.B. §§) zwischen Registereintrag und den Seitenbereich eingegeben:

    Goethe, Johann Wolfgang v. §§ 25–29, 40 f., 90, 94

    Das macht die Sache per Suchen/Ersetzen einfach. Was aber, wenn das fertige Word-Register leider ohne diese Hilfe und stattdessen mit einem einfachen Leerzeichen als Trenner daherkommt?:

    Goethe, Johann Wolfgang v. 25–29, 40 f., 90, 94

    Da helfen nur 2 GREPs direkt hintereinander auf das ausgewählte Register ausgeführt:

    1.
    Suche:   (?<=\d)(\d[\d,/–~<f\.]*)$
    Ersetze: ~>$1
    2. Suche: ([\d,/–~<f\.]+)$ Ersetze: ~>$1 (Achtung: steht hier für ein Leerzeichen! Und: Sie sollten alle Divis in den Seitenbereichen bereits als Halbgeviertstriche umgesetzt haben.)

    Damit verarbeiten Sie problemlos auch Einträge wie:

    Asimov, Isaac, geb. am 2. Januar 1920 15–33, 40 f.
    Coetzee, J. M., geb. am 9. Februar 1940 50/51

    Obwohl diese beiden GREPs die meisten Register-Trennstellen finden, so doch sicherlich nicht alle. Die letzte kritische Durchsicht des gesamten Registers, bleibt Ihnen leider nicht erspart.