Kategorie: Satztechnik

  • Korrekturen nach Vorlage ausführen, Teil 2

    In »Korrekturen nach Vorlage ausführen, Teil 1« hatte ich beschrieben, wie Korrekturen auf Papier oder einem eingescannten Korrekturabzug in Acrobat effektiv ausgeführt werden können und im PDF nicht auf das ausgesprochen hilfreiche Abhaken von Korrekturstellen verzichtet werden muss.

    Wie funktioniert das nun mit einem PDF, in dem die Korrekturen mit den Korrektur-Tools (Kommentarwerkzeugen) von Acrobat eingebracht wurden? (Zum digitalen Korrekturlesen im PDF erfahren Sie mehr im Artikel »Korrekturlesen digital«.)

    PDF-Korrektur-Vorlagen mit Acrobat-Kommentaren als Korrekturstellen

    Diese Arbeitsweise bietet zwei klare Vorteile:
    1. Sie können keine Korrekturstelle mehr übersehen, sofern Sie konsequent einen Kommentar nach dem anderen abarbeiten.
    2. Die versendeten Dateigrößen bleiben klein.
    3. Sie benötigen im Workflow kein Papier mehr.

    In diesem Artikel beziehe ich mich auf Acrobat X. Die Befehle heißen in den verschiedenen Acrobat-Versionen leicht anders und sind (in niedrigeren Versionen) in einer etwas abweichenden, aber ähnlichen Menüstruktur zu finden.

    Wie kann ich mich beim Korrektur-Ausführen sicher orientieren?

    Analog zu gescannten Korrekturvorlagen als PDF, arbeite ich auch in solchen Fällen mit zwei Computern: Auf dem einen ist das PDF in Acrobat geöffnet, auf dem anderen der zu korrigierende Umbruch. Der PDF-Rechner steht dabei möglichst direkt neben oder – wie eine Papiervorlage – »unter« dem Korrekturrechner.

    Arbeitsplatz zur Korrektur-Ausführung mit PDFs.
    Der Arbeitsplatz zur Korrektur-Ausführung mit einem Acrobat-PDF als Vorlage. Hinten der Korrektur-Rechner, davor der PDF-Rechner.

    Mit der linken Maus hake ich die Korrekturen in Acrobat ab – ganz analog zur Arbeit mit einem Papierabzug –, mit der rechten Maus und der vorderen Tastatur pflege ich die Korrekturen in das Layoutprogramm ein.

    Wie kann ich die Korrekturen im PDF abhaken?

    Sofern Sie noch keine Erfahrung mit den Acrobat-Kommentarwerkzeugen und deren effektivem Gebrauch beim Korrekturlesen haben, machen Sie sich bitte kurz im Eintrag »Korrekturlesen digital« damit vertraut, bevor Sie weiterlesen.

    1.
    Wenn Sie das Korrektur-PDF in Acrobat vor sich haben, klicken Sie auf »Kommentar«. Sofort zeigt Acrobat alle auszuführenden Korrekturen als Liste an.

    Acrobat Kommentare öffnen
    Wählen Sie »Kommentar« (links), um die Kommentarpalette in Acrobat zu öffnen (rechts)

    2.
    Jetzt können Sie einfach einen Kommentar nach dem anderen anklicken (einfacher Klick reicht) und bearbeiten. Acrobat springt automatisch an die ausgewählte Korrekturstelle und markiert die Korrektur mit einer umlaufenden blau gestrichelten Linie (siehe nächste Abbildung).

    Sollte die Korrekturstelle schwer aufzufinden sein, vergrößern Sie (Plus-Lupe in der Menüleiste klicken oder Apfel-+ bzw. Strg-+ als Shortcut) so lange, bis die Korrekturstelle gut sichtbar ist.

    3.
    Nach dem Ausführen einer Korrektur haken Sie den Korrektur-Kommentar mit der daneben stehenden Checkbox ab.

    Acrobat Korrekturstelle abhaken
    Abhaken von Korrekturstellen

    4.
    Wollen Sie eine angegebene Korrektur nicht ausführen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Kommentar-Eintrag und wählen »Status festlegen > Abgelehnt« (siehe Punkt 1 der Abbildung).

    Sie können zusätzlich in einer »Antwort« dokumentieren, warum Sie die Korrektur nicht ausgeführt haben (siehe Punkt 2 der Abbildung).

    Acrobat Kommentare ablehnen, beantworten
    Ablehnen einer Korrekturstelle in Acrobat (1) und eine Bemerkung zur Ablehnung verfassen (2)

    5.
    So bearbeiten Sie die Korrektur-Stellen nacheinander, bis keine mehr unbearbeitet ist. Vergessen Sie nicht, von Zeit zu Zeit das PDF zu speichern (Apfel-s bzw. Strg-s)!

     

    Ich empfehle Ihnen, die abgehakten Korrekturstellen mittels Klick der rechten Maustaste und »Status festlegen > Akzeptiert« dauerhaft als erledigt zu markieren. Beim Wechsel des Computers oder der Acrobat-Version werden sonst die gesetzten Checkboxen eventuell nicht mehr aktiviert sein. Dazu gehen Sie wie folgt vor:

    1.
    Klicken Sie im Kommentarbereich auf das Fly-out-Menü »Kommentare filtern« und wählen »Aktiviert > Aktiviert«. Damit werden alle nicht angeklickten (also alle von Ihnen abgelehnten) Korrekturstellen in der Kommentarliste ausgeblendet.

    Acrobat, nur ausgewählte Kommentare anzeigen
    Die Kommentaranzeige auf ausgewählte Kommentare beschränken

    2.
    Wählen Sie jetzt alle verbliebenen Korrektur-Kommentare aus (Apfel-a bzw. Strg-a).

    3.
    Weisen Sie nun den Status »Akzeptiert« zu: Klick rechte Maustaste, »Status festlegen  > Akzeptiert«.

    4.
    Speichern Sie das PDF (Apfel-s bzw. Strg-s).

    5.
    Mit »Einblenden > Alle Kommentare einblenden« kommen Sie wieder zur ursprünglichen Ansicht mit allen Kommentaren zurück.

     

    Damit erhalten Sie ein PDF mit fertig bearbeiteten Korrekturen, an denen auch Datum und Zeit des Akzeptierens oder Ablehnens (und eventuell sogar der Grund) nachvollziehbar dokumentiert sind.

     

    Tipp:
    Sollte es für Sie wichtig sein, wann exakt eine Korrektur ausgeführt wurde, arbeiten Sie nicht über die Checkboxen an jedem Kommentar, sondern legen Sie nach Ausführung immer sofort den Status fest. Damit hinterlegt Acrobat nämlich automatisch Datum und Uhrzeit der Statusänderung.
    Tipp:
    Sollten Sie die Korrektur nicht in einem Schwung abarbeiten, empfehle ich Ihnen, den Überprüfungsstatus am Ende jeder Unterbrechung wie als »Akzeptiert« festzulegen. Acrobat dokumentiert dann nämlich im PDF Datum und Zeit der Statusänderung.

     

  • Initiale umfließen

    Viele typografische Feinheiten, die für den Setzer früher selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit waren, sind heute leider kaum noch zu sehen. Dazu gehört auch die korrekt umflossene Initiale.

    2-zeilge Initiale im Vergleich
    2-zeilige Initiale im Vergleich: unbearbeitet (links) und bearbeitet (rechts)

    Ich zeige Ihnen hier, wie Sie die von InDesign erzeugte einfache Initiale mit wenig Aufwand umfließen lassen können.

    2-zeilige Initiale

    Schritt 1
    Fügen Sie direkt vor und direkt nach der Initiale ein »Verbindung unterdrücken«-Zeichen ein (erreichbar z.B. über das Menü: »Schrift → Sonderzeichen einfügen → Andere → Verbindung unterdrücken« – zero width non-joiner, U+200C).

    2-zeilge Initiale, 1. Sonderzeichen einfügen
    Schritt 1: Einfügen der beiden Sonderzeichen (1) und (2)

    Schritt 2
    Setzen Sie den Cursor zwischen das erste »Verbindung unterdrücken«-Zeichen und die Initiale und nutzen das Kerning (Shortcuts: »Alt →« bzw. »Alt ←«), um die Initiale optisch korrekt mit der linken Satzkante auszurichten.

    2-zeilge Initiale, 2. Kerning linker Rand
    Schritt 2: Ausrichten der Initiale zur linken Satzkante

    Schritt 3
    Setzen Sie den Cursor zwischen die Initiale und das zweite »Verbindung unterdrücken«-Zeichen und nutzen das Kerning, um die unterste Grundtextzeile neben der Initiale optisch korrekt zur rechten Seite der Initiale auszurichten.

    2-zeilge Initiale, 3. untere Grundtextzeile ausrichten
    Schritt 3: Ausrichten der unteren Grundtextzeile zur Initiale

    Schritt 4
    Setzen Sie den Cursor zwischen das zweite »Verbindung unterdrücken«-Zeichen und den Grundtextanfang und nutzen Sie das Kerning, um die oberste Grundtextzeile neben der Initiale optisch korrekt zur rechten Seite der Initiale auszurichten.

    2-zeilge Initiale, 4. obere Grundtextzeile ausrichten
    Schritt 4: Ausrichten der oberen Grundtextzeile zur Initiale

    3-zeilige Initiale

    Führen Sie die Schritte (1)–(4) wie bei 2-zeiligen Initialen aus.

    Schritt 5
    Fügen Sie am Beginn der zweiten (oder weiteren) Grundtextzeile(n) ein weiteres »Verbindung unterdrücken«-Zeichen ein und richten damit die (jeweils) darunter liegende Zeile zur Initiale aus.

    3-zeilge Initiale, 5. Ausrichten weiterer Zeilen
    Schritt 5: Ausrichten weiterer Grundtextzeilen bei einer mehr als zweizeiligen Initale
    3-zeilge Initiale im Vergleich
    3-zeilige Initiale im Vergleich: unbearbeitet (links) und bearbeitet (rechts)

    Hilfe: Alles verrutscht!

    Wenn Sie ab der zweiten Grundtextzeile stark unterschneiden müssen, kann es passieren, dass das »Verbindung unterdrücken«-Zeichen und das erste Wort, bzw. ein Wortteil dessen, stark unterschnitten ans Ende der darüber liegenden Zeile rutscht. Arbeiten Sie dann mit Trennverbot (bedingter Trennstrich vor dem Wort) in Kombination mit dem Befehl »Kein Umbruch« für das nachfolgende Leerzeichen, um den Umbruch am Zeilenende nicht-destruktiv zu korrigieren und das »Verbindung unterdrücken«-Zeichen wieder an seine gewünschte Position zu bringen.

    Ans Herz gelegt: Shortcuts definieren

    Definieren Sie unbedingt Shortcuts für »Kein Umbruch« (z.B. »Apfel <«) und für Verbindung unterdrücken« (z.B. »Strg ´« – in Anlehnung an »Apfel ´« = »Einzug bis hierhin«), um schnell und effektiv arbeiten zu können.

    Warum eigentlich »Verbindung unterdrücken«?

    Statt des »Verbindung unterdrücken«-Zeichens können Sie auch ein beliebiges anderes Zeichen ohne feste Breite (zero width character) nutzen, z.B. den bedingten Trennstrich (damit können Sie übrigens auch in Quark XPress in diesem Zusammenhang arbeiten). Das »Verbindung unterdrücken«-Zeichen hat allerdings den Vorteil, dass es den Umbruch nicht beeinflusst und auch ohne Tricksereien (z.B. »Harter Zeilenumbruch« [\n]) direkt nach einem Leerzeichen als erstes Zeichen am Anfang einer Zeile stehen kann.

    Tipp:
    Notieren Sie sich die Werte für die Initiale einer Publikation in einer Liste. Damit behandeln Sie alle gleichen Fälle gleich und arbeiten schneller, indem Sie es vermeiden, die Werte für das Umfließen eines Initialbuchstabends mehrmals neu austüfteln zu müssen.

  • Korrekturen nach Vorlage ausführen, Teil 1

    Um effektiv Korrekturen nach einer gelieferten Korrektur-Vorlage auszuführen, gilt grundsätzlich:

    • Führen Sie sorgfältig und konzentriert eine Korrekturstelle nach der anderen aus.
    • Direkt nach Ausführung einer Korrekturstelle haken Sie diese in der Korrektur-Vorlage ab (Stift mit abweichender, gut sichtbarer Farbe verwenden).

    Das Abhaken hilft Ihnen, die Orientierung zu behalten, ob Sie bereits alle Korrekturstellen auf der Seite bearbeitet haben oder nicht. Gleichzeitig dokumentieren Sie durch das Abhaken, dass Sie die Korrektur an dieser Stelle ausgeführt und nicht vergessen haben. So lassen sich im Nachhinein Fehler in der Korrektur-Ausführung gut nachvollziehen.

    Bei zwei, drei Korrekturen auf einer Seite erscheint dies zunächst unnütz und aufwendig, ist aber auch hier trotzdem nützlich und empfehlenswert. Wer aber schon einmal Text- oder Verzeichnisseiten mit umfangreichen Korrekturen, Einfügungen, Umstellungen und Streichungen korrigieren musste (»mehr Rot auf der Seite als Schwarz«), weiß diese kleine Hilfe sofort zu schätzen!

    Gescannte Korrektur-Vorlagen

    Viele Verlage verschicken Ihre Korrektur-Vorlagen allerdings nicht mehr auf Papier, sondern scannen die kollationierten Korrektur-Vorlagen mit einem Einzugsscanner und versenden sie als PDF über das Internet.

    Wie kann ich mich beim Korrektur-Ausführen sicher orientieren?

    Ich arbeite in solchen Fällen grundsätzlich mit zwei Computern: Auf dem einen habe ich das PDF in Acrobat geöffnet, auf dem anderen den zu korrigierenden Umbruch. Der PDF-Rechner steht dabei möglichst direkt neben oder – wie eine Papiervorlage – »unter« dem Korrekturrechner.

    Arbeitsplatz zur Korrektur-Ausführung mit PDFs.
    Der Arbeitsplatz zur Korrektur-Ausführung mit einem Acrobat-PDF als Vorlage. Hinten der Korrektur-Rechner, davor der PDF-Rechner.

    Mit der linken Maus hake ich die Korrekturen in Acrobat ab – ganz analog zur Arbeit mit einem Papierabzug – (das erläutere ich Ihnen im nächsten Abschnitt), mit der rechten Maus und der vorderen Tastatur pflege ich die Korrekturen in das Layoutprogramm ein.

    Wie kann ich im PDF Korrekturen abhaken?

    Acrobat bietet sowohl in der kostenlosen Version Reader XI als auch in der Vollversion unter seinen Kommentarwerkzeugen ein Stempel-Werkzeug (in der Werkzeugleiste rechts unter der Menüleiste: Kommentar › Anmerkungen › Stempel hinzufügen):

    »Stempel hinzufügen«-Werkzeug
    »Stempel hinzufügen«-Werkzeug in Acrobat und Acrobat Reader.

    Aktivieren Sie über den kleinen schwarzen Pfeil nach unten direkt im Stempelsymbol das Fly-out-Menü und wählen »Stempelpalette einblenden«:

    Acrobat Fly-out-Menü des Stempel-Werkzeugs.
    Acrobat Fly-out-Menü des Stempel-Werkzeugs.

    Wählen Sie in der Stempelpalette den Eintrag »Hier unterschreiben« aus. Darin befinden sich ein grüner Haken und ein rotes Kreuz.

    Klicken Sie mit der rechten Maustaste (Ein-Tasten-Maus am Mac: Strg-Klick) auf den Haken und wählen Sie »Stempel den Favoriten hinzufügen« und verfahren mit dem roten Kreuz genauso und schließen die Stempelpalette:

    Stempel zu Favoriten hinzufügen
    Acrobat-Stempel zu den Favoriten hinzufügen.

    Damit erscheinen beide Stempel jetzt leicht zugänglich im oberen Bereich, wenn Sie das Fly-out-Menü des Stempelwerkzeugs anwählen. Wenn Sie nun einen Stempel auswählen, können Sie eine beliebige Stelle im PDF einmalig mit einem Mausklick »abstempeln«.

    Nutzen Sie den Haken für eine fertig ausgeführte Korrektur und das Kreuz für eine Korrektur, die Sie ganz bewusst nicht ausführen möchten. Da Stempel Kommentar-Werkzeuge sind, können Sie sogar jeweils noch eine Korrektur-Anmerkung zuordnen (z.B. eine kurze Info, warum Sie die Korrektur an dieser Stelle abgelehnt haben).

    Um den Stempel als Hauptwerkzeug durchgängig auszuwählen (und ihn nicht nach jedem abstempeln immer wieder neu als Werkzeug auswählen zu müssen), klicken Sie mit der rechten Maustaste (Mac mit Ein-Tasten-Maus wieder: Strg-Klick) auf das Stempel-Werkzeug im Kommentarbereich der Werkzeugleiste und wählen dort »Werkzeugauswahl beibehalten«:

    Acrobat-Stempel-Auswahl beibehalten
    Acrobat-Stempel-Auswahl beibehalten, um den Stempel beständig auszuwählen.

    Nun können Sie beliebig oft hintereinander stempeln und mit den Pfeiltasten der Tastatur oder dem Mausrad durch die PDF-Seiten navigieren. Wenn Sie die Korrektur am Korrektur-Rechner ausgeführt haben, stempeln Sie die Korrektur-Stelle (idealerweise mit einer zweiten Maus für die linke Hand – trainiert gleichzeitig noch beide Gehirnhälften :o) – siehe Foto oben) am PDF-Rechner ab. Beim Speichern des PDFs werden die Haken und Kreuze ebenfalls abgespeichert. So können Sie Ihre digitale Korrekturausführung bequem archivieren oder auch zurücksenden, um die Ausführung zu belegen.

    Eine Seite vorher/nachher sieht dann so aus:

    Korrektur-Vorlage vorher/nachher
    Links: Korrektur-Vorlage; rechts: nach ausgeführter Korrektur in Acrobat.

    PDF mit Kommentaren als Korrektur-Vorlage

    Ein ähnliches Vorgehen können Sie auch mit »echten« (also nicht gescannten) PDFs realisieren. Das Vorgehen erläutere ich Ihnen bald in einem weiteren Post (»Korrekturen nach Vorlage ausführen, Teil 2«).

     

    Ein Tipp zum Schluss:
    Bei sehr umfangreichen Korrekturen ist es meist einfacher, die Korrekturen von hinten nach vorne auszuführen (also von »rechts unten« nach »links oben«). Damit bieten die zu korrigierenden Passagen in der Layout-Software stets das gleiche Satzbild wie in der Korrektur-Vorlage, sodass Sie die Korrekturstellen optisch leichter auffinden.

     

  • Wortzwischenraum

    Ein möglichst harmonisches Satzbild (eine optisch gleichmäßige »Grauwirkung«) ist das Ziel des hochwertigen Buchsatzes. Durch die Nutzung unterschiedlich breiter Wortzwischenräume (feste oder flexible) nähern wir uns diesem Ideal. Dabei sind zumindest zwei Punkte beachtenswert:

    Die optische Annäherung
    Ein Punkt am Ende eines Satzes darf ruhig einen optisch größeren Raum verursachen: Er ist das Ende einer abgeschlossenen Sinneinheit und es beginnt die nächste. Aber Abkürzungen innerhalb eines Satzes sollten sich unauffällig integrieren. Hier hilft nur, den Wortzwischenraum der Abkürzung so weit zu reduzieren (also in der Breite zu verringern), bis er optisch dem normalen Wortzwischenraum ähnelt.

    Das Zusammenhalten semantischer Einheiten
    Ferner sollten semantische Einheiten (also Sinneinheiten) innerhalb eines Satzes am Zeilenende nicht unschön aufgetrennt werden (z.B. »6 ‹Zeilenumbruch›Kilometer« – oder gar als Abkürzung: »6 ‹Zeilenumbruch›km«). Hier versuchen wir, durch den geschickten Einsatz von geschützten Wortzwischenräumen ein Umbrechen zu verhindern.

    Klassifikation der Abstände (Zwischenräume)

    KürzelBeschreibungSatztechnik
    WZRWortzwischenraum 
    (Keil, Space, Leerzeichen, Leerschritt, Leerstelle, Leer, Abstand, Zwischenraum)
    Basiswert in »Abstände« – Wortabstand, Optimal: 100% (an Schriftart angepasst)
    gWZRGeschützter WZR 
    (= flexibel, nicht-trennend)
    Bis InDesign CS2:
    Zeichenstil: ‹Kein Umbruch› aktiviert (in: »Grundlegende Zeichenformate«)
    Ab InDesign CS3:
    programminternes Zeichen »Geschütztes Leerzeichen« nutzen
    RedWZRReduzierter WZR 
    (= flexibel, trennend, verringert)
    Zeichenstil mit verringerter Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    gRedWZRGeschützer RedWZR 
    (= flexibel, nicht-trennend, verringert)
    Bis InDesign CS2:
    Zeichenstil: ‹Kein Umbruch› aktiviert; verringerte Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    Ab InDesign CS3:
    Programminternes Zeichen »Geschütztes Leerzeichen« und Zeichenstil mit verringerter Schriftbreite (an Schriftart angepasst)
    Festabstand

    Festwert
    (Spatium, Festabstand, Gevierte; = fester, nicht-trennender Abstand, wird im Blocksatz nicht ausgetrieben)

    Programminterne Gevierte verwenden: 
    1/1 – 1/2 – 1/4 – 1/6 – 1/8 – 1/24 – usw. (je nach Anwendungsfall)

    Verwendung

    Die verschiedenen Zwischenräume werden genutzt, um semantisch zusammengehörige Worteinheiten bzw. Abkürzungen optisch anzunähern und ein unschönes Auftrennen am Zeilenende zu vermeiden. Verschiedene Wort-(Zahl-)Kombinationen weisen ein unterschiedlich starkes Streben nach innerem Zusammenhalt auf:

    Rang
    (im Streben nach Einheit)
    BeispieleSatztechnik
    1   o [= wenig]sechs KilometerWZR
    2   +6 KilometergWZR
    3   ++griech. PhilosophRedWZR
    4   +++2. Weltkrieg
    z. B.
    gRedWZR
    5   ++++ [= stark]100 000
    20 000
    50 %
    Festwert 1/8 Geviert

    Beispiele

    • Hrg. v. Hugo Ernst   →   Hrg.[gRedWZR]v.[RedWZR]Hugo Ernst
    • J. R. R. Tolkien   →   J.[gRedWZR]R.[gRedWZR]R.[RedWZR]Tolkien
    • er soll / sie sollte   →   er soll[gRedWZR]/[RedWZR]sie sollte
    • er sollte/wollte   →   er sollte/wollte
    • Mr. Green   →   Mr.[gRedWZR]Green
  • Gemeine zwischen mehreren Versalien – was tun?

    KGaA, UdSSR … die Mischform aus mehreren Versalien und Gemeinen in einem Wort begegnet uns doch hin und wieder mal im Satz. Wir haben gelernt, Versalien kleiner zu setzen und anzusperren, dass sie besser lesbar werden und sich optisch besser in die Zeile einfügen. Für die Behandlung von Versalien gilt: eigene Zeichenstilvorlage anlegen

    Versalien (in Grundschriftgraden, je nach Schrift):
    – etwa 0,5 pt (oder 95%) kleiner
    – +35 bis +50 in InDesign ansperren (respektive +7 bis +10 in Quark)

    Versalien findet man in InDesign (und anderen GREP-fähigen Programmen) leicht mit der folgenden GREP-Suche:

    Versalien-GREP: \u\u+
    Vergleich Versalien ohne und mit Optimierung.
    Optimierte Versalien (rechts) fügen sich angenehmer ins Satzbild.

    Wie behandle ich KGaA oder UdSSR typografisch korrekt?

    Aber was ist mit Kombinationen wie KGaA und UdSSR? Da findet die Versalien-GREP-Suche nur Teile des Wortes: KGaA → KG  oder  UdSSR → SSR.

    Wenn Sie so die Versal-Stilvorlage anwenden, kleben die Gemeinen zu sehr an den nachfolgenden Versalien – »dSSR« – und die einzeln Versalien der Wortgruppe sind zu groß – »U« im Vergleich zu »SSR«. (Dargestellt in der linken Spalte in der unteren Abbildung.)

    Der nachfolgende GREP findet die gemischten Worte ebenso wie einfache CamelCase-Worte (also Worte, die ein Anfangs- und ein Binnen-Versal aufweisen wie »MacLeod«):

    CamelCase-GREP: \u\u*\l+\u+

    Meine Empfehlung für die korrekte typografische Umsetzung:

    • Auf einzelne Versalien der Buchstabengruppe ebenfalls die Versalien-Stilvorlage anwenden.
    • Gemeine in der Gruppe in voller Grundschriftgröße belassen, aber wie umgebende Versalien ansperren.

    Dadurch erreichen Sie ein optimales Satzbild:

    Optimierung mit Gemeinen gemischter Versalien.
    Mit Gemeinen gemischte Versaliengruppen benötigen eine eigene Optimierung (rechts).
  • InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch einfügen

    Wer mit XML- oder Datenbankinhalten zu tun hat, muss sich häufiger die Frage stellen, wie er standardisierte Inhalte (»Tipp: «, »Achtung: «, »ISBN « usw.) vor bestimmten Absätzen in InDesign einfügt. Möglichkeiten gibt es viele:

    • beim XML-Import per XSLT oder Scripting (bspw. per XML Rules) fest einfügen
    • nach dem Import der Daten via Stilvorlage und GREP oder Suchen/Ersetzen bzw. per Scripting fest einfügen
    • per Hand eingeben
    • oder oder oder

    Ich bevorzuge dafür die Aufzählungsfunktion – aber etwas anders genutzt … 

    1. Wählen Sie »Aufzählungszeichen und Nummerierung«
    2. Wählen Sie »Listentyp: Zahlen«
    3. Als »Format:« nehmen Sie »Ohne« eben im Feld »Zahl:« den Text ein, der automatisch vor dem Absatz eingesetzt werden soll und die nötigen Festwerte/Abstandszeichen (z.B. auch ^t für den Tabulator).
    4. Wählen Sie dann unter »Zeichenformat:« ein Format für das Feld »Zahl:« aus.
    5. Die restlichen Eintragungen sind für unseren Zweck nicht wichtig.

    Damit erhalten Sie einen vollautomatisch generierten Inhalt vor dem Absatz in InDesign (entspricht im CSS einem p.warning:before { content: ‚Achtung‘; }) – auch ganz zur Freude für Ihr XML-Roundtripping, weil Sie dem XML-Stream keine unnötigen Inhalte hinzufügen müssen.

    InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch mit der Aufzählungsfunktion einfügen lassen.
    InDesign: Inhalte vor Absätzen automatisch mit der Aufzählungsfunktion einfügen lassen.

    PS. Diesen Trick durfte ich vor einigen Jahren schon mal in Haeme Ulrichs Blog veröffentlichen (an dieser Stelle ganz ausdrücklich: Grüße in die Schweiz!). Er hat aber nach wie vor an Aktualität nicht verloren.

  • GREP für gelieferte Register: Registereintrag von Seitenzahlen trennen

    Idealerweise wird im Manuskript schon eine eindeutige Zeichenkombination (z.B. §§) zwischen Registereintrag und den Seitenbereich eingegeben:

    Goethe, Johann Wolfgang v. §§ 25–29, 40 f., 90, 94

    Das macht die Sache per Suchen/Ersetzen einfach. Was aber, wenn das fertige Word-Register leider ohne diese Hilfe und stattdessen mit einem einfachen Leerzeichen als Trenner daherkommt?:

    Goethe, Johann Wolfgang v. 25–29, 40 f., 90, 94

    Da helfen nur 2 GREPs direkt hintereinander auf das ausgewählte Register ausgeführt:

    1.
    Suche:   (?<=\d)(\d[\d,/–~<f\.]*)$
    Ersetze: ~>$1
    2. Suche: ([\d,/–~<f\.]+)$ Ersetze: ~>$1 (Achtung: steht hier für ein Leerzeichen! Und: Sie sollten alle Divis in den Seitenbereichen bereits als Halbgeviertstriche umgesetzt haben.)

    Damit verarbeiten Sie problemlos auch Einträge wie:

    Asimov, Isaac, geb. am 2. Januar 1920 15–33, 40 f.
    Coetzee, J. M., geb. am 9. Februar 1940 50/51

    Obwohl diese beiden GREPs die meisten Register-Trennstellen finden, so doch sicherlich nicht alle. Die letzte kritische Durchsicht des gesamten Registers, bleibt Ihnen leider nicht erspart.

  • GREP: Alle Ziffern finden

    Ein paar Gedanken rund um Ziffern und GREP, die nützlich sein können:

    GREPBeschreibung
    \dfindet eine Ziffer (»d« wie »digit«
    \d+findet ein oder mehrere zusammenhängende Ziffern (also Ziffernblöcke)
    \d+(?=[x])findet nur Ziffernblöcke, nach denen das Zeichen x steht (= positive lookahead)
    (?<=[x])\d+… vor denen das Zeichen x steht (= positiv lookbehind)
    \d+(?![\dx])… nach denen nicht das Zeichen x steht (= negative lookahead)
    (?<![\dx])… vor denen nicht das Zeichen x steht (= negative lookbehind)

    Denken Sie also daran, sobald Sie ein Zeichen nach oder vor einer Ziffernfolge nicht haben wollen (negative lookahead/lookbehind), dass Sie unbedingt auch Ziffern ausschließen müssen (»\d«), sonst findet Ihr GREP auch alle mehr als 2-stelligen Ziffernfolgen …

  • InDesign-Laufweite umrechnen

    Sie möchten die Schrift-Laufweiten zwischen zwei Programmen umrechnen? Hier meine kleine Sammlung:

    Laufweiten-Definitionen

    Adobe InDesign:   1/1000 Geviert
    Quark XPress:   1/200 Geviert
    PageOne und Arbortext APP (ehemals 3B2):   % der Schriftgröße
    Microsoft Word:   pt-basiert

    InDesign nach Quark

    InDesign : Quark = 5 : 1

    InDesign nach PageOne oder Arbortext APP (3B2)

    1% (PageOne) = 10 Linien (10/1000 Geviert) = 10 InDesign-Einheiten

    InDesign nach Word

    [Laufweite in pt] = [Schriftgröße in pt] x [Laufweite in 1/1000 Geviert] / 1000